CRITICS - Concert Critics until 1984

 


I.1. Feuerkopf aus Zypern

Von dem 19jährigen Pianisten Nikolas Ekonomou aus Zypern wird erzählt, er suche in einer Stadt nicht zuerst ein Hotel, sondern einen Flügel. Dann stürze er sich darauf und trainiere bis zum Beginn des Konzertes. Eine durchaus glaubwürdige Geschichte, die genau paßt zum elementar-dynamischen Naturell des Künstlers,....

Dieser unscheinbare Junge, der wurschtig wie ein schlaksiger Unterprimaner das Podium des belgischen Hauses betritt, ist mit Energien bis zum Bersten geladen...

Ekonomous stupend geschliffene Technik, nie Blickfang, sondern Ausgangspunkt zu geistig-musikalischer Durchdringung der Textur, ist das Signum einer Trainingsmethode, der Europa nichts gleichwertiges entgegenzusetzen hat.

Mit delikatem Anschlag formte er die düstersüße Melancholie Tschaikowskijs, führte Prokoffiefs Präludien aus vordergründiger Artistik zu tieferer Bedeutung und charakterisierte jede Szene der „Bilder einer Ausstellung“ von Mussorgskij mit einer ihrer Stimmung und Ausdrucksart genau entsprechenden Anschlagsart.

Als er mit Pathos und äußerster Kraftentfaltung den Zyklus mit dem Großen Tor von Kiew beschloß, brach ein Beifallssturm los, der sich selbst nach etlichen Zugaben kaum beschwichtigen ließ.

Margo Schuchardt in Kölner Stadtanzeiger, 17.1.73

I.2. Auf unkonventionellen Wegen

 

… Inmitten des ‘Menschenpanoptikums der Irene M.’, wie die Ausstellung betitelt ist, tanzte Irene Müller (Schülerin von Mary Wigman) zu Improvisationen des zypriotischen Pianisten. Welch reizvolle Situation! ‚Im schwarzen Kleid’, ‚Spinngewebe’ und ‚Blumenbilder’ waren die Tänze thematisch angedeutet. Nicolas Economou zeigte Erfindungsgabe; es wurde eine gelungene Darbietung, die vermuten lassen könnte, daß Pianist und Tänzerin schon jahrelang zusammenarbeiten. Sie lernten sich indes erst am Konzertsonntag kennen. ...

Besonders interessant erschienen Economous eigene Komposition ‚Kinderlaunen’; gefällige Programmmusdik, die so gut ankam, daß bereits nach einer Schallplatte gefragt wurde (die es noch nicht gibt).

 

Coesfelder Nachrichten, about 1975

 

I.3. Frischer Wind aus Zypern

Pianisten treten neuerdings bereits mit einer hingebungsvollen Gemeinde in die Welt. Die Fans sind früher zur Stelle als der erste Ton. Im Falle des im Herkulessaal debütierenden Nicolas Economou aus Zypern hatten die Public Relations - zu deutsch: klappern gehört zum Handwerk - ganze Arbeit geleistet, fand sich doch weit und breit niemand, der nicht kräftig darauf hingewiesen wäre, daß sich der Weltgeist wieder einmal auf seinem schwarlackierten Hochaltar, dem Konzertflügel offenbaren werde.

Nicolas Economou, der seine südländisch-rornantische Erscheinung in dir gräßliche Paradeuniform des Fracks zwängte, spielte ein monströses Programm wie es seiner überaus gründlichen Technik - er wurde in Moskau ausgebildet - und seinem jugendlichen Elan entsprach. ... Sein drängendes, von einiger Nervosität vollends freigesetztes Temperament ging ihm mit Hilfe der gewandten Finger des öfteren durch; so übersetzte Econornou häufig Allegro mit ,So schnell wie möglich' und Adagio mit ,So langsam wie möglich', wobei er in raschen Tempi zuweilen jenes Differenzieren vergißt, das er in getragener Gangart mit lyrischem Piano- und Pianissimogefühl übt. Beethoven (op. 27,1) wirkte denn wie ein überdimensionaler Zerrissener, der sich bald tiefer Depression, bald cholerischen Ausbrüchen überantwortet. ...

Economou, der seit kurzem in München lebt, kündigt für kommendes Frühjahr einen Beethoven-Abend an. Er kann jetzt schon des Interesses gewiß sein.

Karl Schumann in Suddeutsche Zeitung, 18.11.76

I.4. Zypriotisches Klangwunder

Economou, 24 Jahre alt, in Zypern geboren und bereits in jungen Jahren durch die strenge Moskauer Schule der Richter und Gilels gegangen, erwies sich als eine Begabung, der kaum noch Grenzen gesetzt zu sein scheinen.

In der Interpretation wagte sich Economou mit dem kühnen Mut der Jugend weit in die geheiligten Bezirke der großen, alten Beethoven-Spieler hinein, und präsentiert ein Klangbild, das ebenso eigenwillig wie treffend gezeichnet ist. Zu seiner Verwirklichung stehen ihm alle Mittel zur Verfügung, die man sich dafür nur wünschen kann: Profunde Werkkenntnis verbunden mit höchst sensibler Einfühlung, enorme Musikalität and eine Technik, die kaum perfekter sein kann, wie sich beim mit geradezu paganinischer Hexenkunst über die Tasten gejagten Mephisto-Walzer am Ende der stürmisch verlangten Dreingabe zeigte. Bei diesen Zugaben offenbarte der Künstler eine Vielseitigkeit, die staunen machte. Schumanns Noveletten spielte er mit traumhaft-schönem Anschlag und überdehntem Rubato, Bachs c-moll Präludium erklang in vollendet ausgeglichener kontrapunktischer Durchzeichnung und der Mephisto-Walzer Liszts, mit sem er bei manchem Zuhörer die vorherigen Beethoven-Eindrücke überdeckt haben dürfte, war ein Wunder an Virtuosität! Der Schlußbeifall brachte den Goldenen Saal zum Erzittern.

Lutz Höpfl in Augsburger Allgemeinen; 11.5.77

I.5. Junger Feuergeist am Klavier

... Daß in den die Sonaten umrahmenden Bagatellen-Zyklen op.33 und 126 ein so hochplastisch-kontrastreiches und konzentriertes Spiel besondere Ansatzpunkte finden mußte, versteht sich von selbst, aber nicht wie unterscheidend das geschah. Wenn Econornou da Sensibilität für kantable Schönheit gegen brillanten Drall stellte, abgetöntes Legato gegen gehämmerte Kontur, so verriet das, wie unmittelbar sich auch hier, im kleinen Format, phantasievolles Empfinden auslebte. Auch die Erkenntnis, wo das Spätwerk im ‚schweifenden Gefühl’ schon romantische Bezirke erreicht, erschien aus reiner, unverstellter Intuition gewonnen. ...

Eindrucksvoll blieb danach Schumanns ‚Arabeske’ in Erinnerung. Poetisch einfühlsamer, inniger, kann man sie nicht spielen. Auch der ravouröse, kaum der letzten Steigerung noch fähige Kräfteeinsatz für Liszt [Mephisto Walzer] verblaßte dagegen. Man wird Economous weitere Entwicklung mit aller Aufmerksamkeit verfolgen.

Süddeutsche Zeitung; 14.5.77

I.6. Vulkan mit russischer Seele

Wo erlebt es denn ein 25jähriger Pianist, dem weder Schallplattenruhm noch Protektion seitens allmächtiger Dirigenten noch auch massenhaft ‚erste’ Preise von allen möglichen Klavierwettbewerben vorausgehen, wo erlebr es ein solcher Beginner, daß ihm ein großes volles Haus erwartungsvoll zuklatscht und zuhört? ...

Diesem jungen Künstler gehen Gerüchte voraus, Sensationsandeutungen. Der vermag also in Privatkonzerten brillant zu fantasieren über gegebene Themen und erbetene Stile zwischen Bach und Chopin, der donnert Liszt mit faszinierender Treffsicherheit, der ist zunächst mal ‚anders als alle anderen’. ...

Der da drei Tschaikowsky-Genre-Stücke zurückhaltend und brillant vortrug, war ein zarter, die Sprache der Musik wie eine Muttersprache ruhig nachsprechender, empfindsamer Pianist. Und der die ‚Bilder einer Ausstellung’ vortrug, das war ein ... von seiner Botschaft überzeugter, darum überzeugender Exaltist. ...

Aufregend war es für alle bis an die Grenze der Erschöpfung. Aberwitziger, brutaler sind die ‚Bilder einer Ausstellung’ kaum vorstellbar.

Joachim Kaiser in Süddeutsche Zeitung, 15.2.78

I.7. Nicolas Economou

… The publicity for Mr. Economou’s piano recital on Thursday promised something of a wild man, an importunate daredevil, and one went in trepidation. In fact there was nothing to blench at, and a great deal to admire…

His bold attacks on Liszt’s B minor Sonata were, I thought, triumphant. Apart from the sensational piano-playing, with some hair-raising speed solidly held, the essential dramatic continuity of the work was sizes whole-heartedly – it is full of dangerous transitions, and Economou found a perfectly convincing treatment for every one, to the vast benefit of the Sonata. Overwhelming climaxes were carried by the confident scale of the reading. If self-conscious study had gone into it, that wasn’t to be detected anywhere – it all had the rin gof immediate musical feeling. “Excesses” there may be in Economou’s work: would that more pianists were capable of them!

David Murray in Financial Times, 6.5.80

I.8. Piano Recital

Finally, one evening of music which will remain for a long, long time in our memory. A musical experience one of which very rarely the poor Athens musical life offers -poor in quality, because as for quantity thank god we don't suffer. And it was even more interesting as it was given in the splendid surroundings of the Palace of Plakentia at the Old Penteli, organized by the ,,Cultural Society of Penteli". In spite of a biting cold and the ghastly winds, climatic conditions in no way ideal, not even bearable, for a soloist of an open air recital.

Nothing, however, bothered the young soloist: As if it was calm autumn evening - with us all, in the audience, trying to hide our hands from freezing - Nicolas Economou with the ease of his 28 years, simply dressed and sure of his talent walked to the piano. As from that moment and with the first bars of Mozart the atmosphere changed. There was nothing else but us listening.

And certainly we will not talk about his technique - such problems Economou is not faced with: The brilliant, crystal clear perlé playing, with the boundless possibilities of colour and potentiality; the faultless digital control and his always precise use of the pedal, allow him everything. For, all those facilities with which Econornou is endowed with and for which thousands of pianists try very hard to conquer - if they ever do and to what extend of perfection they can achieve it - in Nicolas Economou they function as a means; they are transformed into music. In music which nails you down and sweeps you away immediately into its world. For, Nicolas Economou has already his own world.

This was proved by the way he staged the three works of the programme Mozart, Beethoven, Schumann. Effective, assured, convincing without faltering, he presented us three ideal interpretations.  Three models of style: classic in the Mozart Sonata, classic and romantic in the Beethoven's "Apassionata" and clearly romantic in Schumann.

What impresses one even more in this young pianist's playing is his strong personal charisma.  The tempo he uses takes him frequently beyond the 'admissible' limits, the dramatic contrasts or climaxes with heavenly pianissimos on the one hand and big sound volume in forte on the other, the fantastic shading of melody: all this - leading countless pianists to cruel distortions of style - creates other dimensions here.  Interposed in the style of the work, not only they don't change the substance, but, on the contrary, they help in projecting its characteristics presenting them together with, what we called earlier, a personal message; and this due to a sense of proportion and a convenience which we encounter only when listening to very famous pianists, much older in age. It is very rare, that we meet such a harmonic combination of instinct and 'controlled' sensitivity; the sense of the austere classic beauty with the romantic 'Sturm und Drang'. Well done, Nicolas Economou!!

 

Phoebus Anoyiannakis in Music Review, 3.9.80

 

I.9. Improvisation ist mehr als Parole

Herrliche Kommunikation: Chick Corea und Nicolas Economou

... Und doch ergänzen sich beide aufs trefflichste. Zwei Musiker sind da am Werk, mit prächtigen Ohren, mit wacher Phantasie, die sich auf nichts festlegen läßt, nur den Rahmen absteckt, innerhalb dessen man sich tummelt. Dass Wichtigste jedoch: Sie können einander zuhören und reagieren. So hat ihr Spiel etwas Vertrautes, geradezu Familiäres, es wirkt wie die Unterhaltung zwischen zwei verständnisvollen, intelligenten Menschen, die den Streit nicht kennen, weil sie sich schätzen und mögen, weil sie die Unterschiede akzeptieren und sie nicht überspielen. ...

‚Homecoming’ und das ‚Duo’ sind Corea-Kompositionen für zwei Klaviere; Economou hat für das Soloklavier, d.h. für sich selbst geschrieben. Der Jazzmusiker wächst mit dem Ensemblespiel auf, der Klassiker denkt als Solist. Die Dialektik wird deutlich: So sehr der improvisierende Musiker sein Ego behaupten muß, so monoman wirkt er, wenn dieses starke Ego kein starkes Gegenüber hat – wie launig musiziert Corea mit Herbie Hancock oder Garry Burton und Nicolas Economou. Und wie aufrichtig ist diese Musik, die uns ganz offen zu verstehen gibt, daß man sich ans formale Gerüst hält. ...

Es war ein herrliches Konzert. Doch es war weit mehr: aufschlußreich. Hier konnte man lernen, was es auf sich hat mit Komposition und Improvisation. Letztlich ist es ein Problem der Kommunikation. Die Tatsache, daß unsere jungen Musiker zu improvisieren verlernt haben, signalisiert nicht etwa nur allein den Tod einer musikalischen Disziplin, sondern den einer zutiefst menschlichen Qualität.

Baldur Bockhoff in Süddeutsche Zeitung, 26.4.82

 

I.10. Klavier Mobilmachung

Bei diesem ganzen pianistischen Befreiungsspektakel, mit dem die Künstler letztlich auch den Aufstand proben und demonstrieren wollten, wie sie sich den Programm- und Ritualzwängen eines allmächtigen Musikmarktes entwinden könnten, kam Nicolas Economou, der geheime Anreger des Klavier-Sommers, in seinem ernsten musikalischen Bereich fast zu kurz. Aber die drei Interpretationen, die er im Vormittagskonzert anbot, ließen durchblicken, daß dieser nicht 30 Jahre alte Künstler auf dem besten Wege ist, sich einen ziemlich oberen Platz in der Pianistenrangliste zu erspielen. Vor allem Schumanns ‚Kreisleriana’ uns ‚Arabeske’ zeigten einen Musiker, der ebenso über Kraft, ja atemlose Wildheit wie über feinstes poetisches Klangempfinden verfügt, einen exzessiven Dichter, der die musikalischen Charaktere einer überhitzten Phantasie himmelstürmend bis zur letzten Nuance ausreizt. Seine frühere Disziplinlosigkeit dabei hat er fast vergessen. ...

Wolfgang Schreiber in Süddeutsche Zeitung, 29.6.82

I.11. Eherner Richter, lockeres Potpourri

... Nicolas Economou war weit besser beraten mit Chopin (b-moll Scherzo und die vier Balladen). Er versuchte erst gar nicht, die Ausbrüche ans Melos zu binden, er ließ das unvermittelt nebeneinander stehen, riß eine Kluft auf zwischen pastellenen Tönen und roher Extase. Für Schöngeister ist solcher Realismus wohl nichts. Der Diagnostiker kommt immer vor dem Therapeuten; auch eine Chopin-Interpretation kann mit Recht diese Reihenfolge wählen. ...

Baldur Bockhoff in Süddeutsche Zeitung, 16.7.84

I.12. Triomf van één vleugel vult Vredenburg geheel

… A top moment of a different order was the performance of the Cypriot pianist Nicolas Economou,… a super virtuoso. Was it the devil or Liszt himself behind the keyboard, I thought, listening to his performance of Liszt’s Mephisto Waltz….

F. Straatman in Trouw, 18.12.84 (translated from dutch)